Retro Konsolen im Test: Retrowave G13 Ultra, R36S & mehr

Retro Konsolen im Test: Retrowave G13 Ultra, R36S & mehr

Retrowave G13: Die beste Retrokonsole mit vorinstallierten Spielen (N64, NDS, PS1 und Co.)
Retrowave G13 Pro

Retro-Konsolen sind heute vor allem zwei Dinge: Nostalgie-Maschinen und Emulations-Computer im Konsolen-Gehäuse. Genau diese Mischung sorgt für den Boom – und für einen Markt, der gleichzeitig extrem unübersichtlich ist: Von “4K Game Stick”-Schnäppchen bis zu Marken-Handhelds existiert alles nebeneinander, oft mit großen Versprechen und wenig belastbaren Daten.

Wichtig zur Methodik: Die Aussagen im folgenden Vergleich basieren auf Herstellerangaben, eigenen Produkttests, Community-Guides, Foren-Threads und Nutzerbewertungen (u. a. Trustpilot) – also dem, was sich öffentlich nachvollziehbar belegen lässt. Wo Angaben widersprüchlich sind (z. B. SoC-Bezeichnungen in Listings), wird das ausdrücklich als Risiko eingeordnet.

Letzte Aktualisierung:

Marktüberblick: Warum Retro-Konsolen boomen

Der Reiz ist schnell erklärt: Klassiker starten sofort, die Einstiegshürde ist niedrig, und viele Geräte kommen mit bereits vorinstallierten Games – das wirkt wie ein “Netflix für Retro”. Genau hier beginnt aber auch das Grundproblem: In der Praxis stolpert man zuerst über zahlreiche Billig-Handhelds und Sticks aus China, die mit “tausenden Spielen” locken.

Ein zweiter, gravierender Punkt ist die Rechtslage rund um ROMs. Heise/TechStage formuliert das sehr klar: Das Hauptproblem vieler No-Name-Retro-Konsolen ist die illegale Nutzung vorinstallierter ROMs; es gab zudem bereits Rechtsstreitigkeiten gegen ROM-Anbieter (als Beispiel wird Nintendo genannt).

Und drittens: Viele Marketing-Phrasen sind technisch irreführend. “4K/60 fps” meint bei Sticks/Boxen meist nur die HDMI-Ausgabe (Menü/Android), nicht dass SNES oder PS1 plötzlich in nativer 4K-Optik laufen. Genau diese Diskrepanz ist in Praxis-Reviews der günstigen Stick-Klasse ein Standardkritikpunkt.

Im Vergleich: Die besten Retro Konsolen

Basierend auf unseren eigenen Tests & Erfahrungen, sowie den technischen Daten, haben wir eine Rangliste erstellt. In der nachfolgenden Vergleichstabelle kannst du alle Daten der einzelnen Gameboxen bzw. Sticks miteinander vergleichen:

Produktbild
Testsieger


Retrowave G13 Ultra

Preis-Leistung


R36S Handheld

TV-Box


X2 Pro Superconsole

Großes Display


M27 Handheld

Einstieg


Retrowave Lite Game Stick

Produkt Retrowave G13 Ultra R36S Handheld X2 Pro Superconsole M27 Handheld Retrowave Lite Game Stick
Preis ab 139,90 € ab 26,99 € ab 75,91 € ab 97,99 € ab 59,95 €
Testnote Testnote: SEHR GUT Testnote: SEHR GUT Testnote: SEHR GUT Testnote: SEHR GUT Testnote: SEHR GUT
Anzahl Spiele 106.000+ 20.000+ 60.000+ 20.000+ 20.000+
Prozessor Amlogic S905X3 Rockchip RK3326 Amlogic S905X2 Quad-Core Cortex-A55 bis 1,6 GHz nicht offiziell genannt
Grafikkarte Mali-G52 Mali-G31 MP2 Mali-G31 MP2 Mali-G52 nicht offiziell genannt
RAM 2 GB DDR4 1 GB DDR3L 2 GB DDR4 4 GB nicht offiziell genannt
Betriebssystem Linux-basiertes Retro-System Open Source Linux / ArkOS EmuELEC 4.5/4.6 + Android 9.0 + CoreELEC Linux / EmuELEC Linux-basiertes Retro-System
Lieferzeit 7-10 Werktage 7-10 Werktage 7-10 Werktage 7-10 Werktage 7-10 Werktage
Zubehör 2x Wireless Controller, Signalempfänger, microSD, HDMI-Verlängerung, USB-Ladekabel, Anleitung Handheld, USB-C Ladekabel, Anleitung 2x Wireless Controller, Fernbedienung, Netzteil, HDMI-Kabel, microSD, Anleitung Handheld, HDMI-Kabel, USB-C Ladekabel, Anleitung 2x Wireless Controller, Signalempfänger, microSD, HDMI-Verlängerung, USB-Ladekabel, Anleitung
SD Kartengröße 256 GB 64-128 GB 64-256 GB 64-256 GB 64 GB
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Retrowave G13 Ultra: Unser klarer Testsieger

Die Retrowave G13 Ultra ist für uns die rundeste Komplettlösung unter den günstigen Retro-Konsolen für den Fernseher. Genau hier unterscheidet sie sich von vielen einfachen HDMI-Sticks oder No-Name-Boxen aus Fernost. Das System wirkt nicht wie ein halbfertiges Bastelprojekt, sondern eher wie eine bereits vorkonfigurierte Emulationslösung, die sich an Nutzer richtet, die möglichst schnell losspielen wollen. Einstecken, starten, Controller verbinden und direkt durch die Bibliothek scrollen – genau so soll eine Retro-Konsole in dieser Klasse funktionieren.

Retrowave G13 Ultra im Test: Was taugt die Konsole mit 100.000 Spielen?
Retrowave G13 Ultra im Test: Was taugt die Konsole mit 100.000 Spielen?
Beim Lieferumfang hinterlässt die G13 Ultra einen ordentlichen Eindruck:
  • 2x Wireless Controller
  • HDMI Kabel
  • Fernbedienung
  • Deutsches Handbuch
  • DC-Netzteil

Die Lieferzeit lag bei 9 Tagen, was bei solchen Produkten realistisch ist, weil sie fast immer aus China oder über entsprechende Importlogistik verschickt werden. Bei den anderen bestellten Produkten von AliExpress dauerte der Versand wesentlich länger. Positiv ist, dass eine deutsche Bedienungsanleitung beiliegt und die SD-Karte bereits im Gerät eingesteckt ist. Das klingt banal, ist in der Praxis aber wichtig, weil viele Käufer genau an solchen Kleinigkeiten scheitern, wenn sie zum ersten Mal eine Emulationskonsole nutzen.

Ein zentrales Verkaufsargument ist die riesige Spielebibliothek. Retrowave spricht aktuell von rund 106.000 Spielen. Diese Zahl stimmt als grobe Größenordnung, muss aber eingeordnet werden. Wie bei fast allen solchen Systemen finden sich zahlreiche Dubletten, unterschiedliche Sprachversionen, teils mehrfach vorhandene Titel unter leicht abweichenden Namen und auch viele technisch ähnliche Varianten.

Gleichzeitig hat die große Bibliothek aber auch einen echten Reiz, weil darunter eben nicht nur Standard-ROMs liegen, sondern auch Mods, Hacks und alternative Versionen. Gerade bei bekannten Nintendo-Klassikern oder bei Arcade-Spielen tauchen so Inhalte auf, die man in offiziellen Collections nie finden würde. Das macht das System gerade für Leute spannend, die nicht nur die großen Mainstream-Klassiker spielen wollen, sondern gerne stöbern.

Technisch gehört die G13 Ultra in die Gruppe moderner EmuELEC-/Android-Retro-Boxen, bei denen je nach Händler und Charge unterschiedliche SoC-Angaben kursieren. Genau das ist typisch für diese Gerätekategorie. Mal ist von Amlogic S905X, mal von S905X2 oder sogar S905X3 die Rede. Für die Praxis ist das weniger schlimm, als es klingt, denn die grobe Leistungsklasse bleibt ähnlich. Die Hardware reicht locker für NES, SNES, Game Boy, Game Boy Advance, Mega Drive, PC Engine, Arcade und PlayStation 1. Auch PSP ist bei vielen Spielen noch gut nutzbar. Genau dort endet aber die realistische Komfortzone.

PS2, GameCube und 3DS sind nicht vorhanden, was in diesem Fall auch sinnvoll ist. Die Hardware wäre dafür schlicht zu schwach. Retrowave verschweigt das nicht völlig, sondern ordnet diese Grenze nachvollziehbar ein – und genau das ist am Ende ehrlicher als viele Billigangebote, die mit jeder erdenklichen Plattform werben, obwohl die Hälfte davon praktisch unspielbar ist.

Im Alltag überzeugt vor allem das UI. Die Oberfläche ist deutlich schöner und aufgeräumter als bei vielen generischen 4K-Game-Sticks. Es gibt eine Suche, die Bibliothek ist halbwegs nachvollziehbar sortiert und man hat insgesamt das Gefühl, dass hier wenigstens ein Mindestmaß an Struktur vorhanden ist. Wer solche Geräte kennt, weiß, dass das keineswegs selbstverständlich ist. Viele Konkurrenten erschlagen Nutzer mit chaotischen Menüs, kryptischen Spieletiteln und schlecht übersetzten Kategorien. Die G13 Ultra macht das besser. Sie ist nicht perfekt kuratiert, aber im direkten Vergleich eindeutig angenehmer zu bedienen.

Ein großer Komfortvorteil im Alltag ist das Emulator-Menü. Über das Drücken des linken Joysticks gelangt man direkt in die Emulationsoptionen. Dort lassen sich Spielstände speichern, laden, Tasten neu belegen und teilweise sogar Cheats aktivieren. Genau solche Funktionen machen aus einer einfachen Plug-and-Play-Konsole ein ernstzunehmendes Retro-Werkzeug. Wer alte Spiele heute wirklich entspannt spielen will, nutzt Save States häufiger, als man zunächst denkt. Gerade bei älteren Arcade-Spielen, Jump-and-Runs oder langen Rollenspielen ist das ein enormer Komfortgewinn.

Auch die Performance ist in der Praxis überzeugend. In den üblichen Zielsystemen läuft das Gerät stabil und ohne störende Ruckler. Klassische 2D-Systeme, PS1 und ein Großteil der PSP-Bibliothek wirken flüssig genug, um einfach zu spielen, ohne permanent über Frametimes oder Audio-Aussetzer nachzudenken. Dazu kommt, dass das System angenehm schnell startet und Spiele ohne lange Wartezeit öffnet. Bei den kabellosen Controllern ist eine leichte Verzögerung spürbar. Subjektiv liegt sie ungefähr im Bereich von rund 200 Millisekunden. Für gemütliches Retro-Gaming auf dem Sofa ist das aber kein ernstes Problem. Nur wer sehr empfindlich auf Input-Lag reagiert oder präzise Reaktionsspiele auf hohem Niveau spielt, wird das stärker merken.

Die Controllerqualität selbst ist ordentlich, aber nicht überragend. Genau hier merkt man, dass man sich weiterhin im Bereich günstiger Importware bewegt. Die Pads sind funktional und ausreichend für die meisten Spiele, reichen aber haptisch und ergonomisch nicht an gute Marken-Controller heran. Das ist ein klassischer Punkt bei fast allen diesen Konsolen. Die Konsole selbst kann gut sein, aber das mitgelieferte Eingabegerät ist oft nur Mittelmaß. Wer viel damit spielt, sollte perspektivisch ein besseres kompatibles Pad im Hinterkopf haben.

Sehr positiv ist, dass sich eigene Spiele relativ unkompliziert hinzufügen lassen. Fehlt ein Titel, kann man ihn in vielen Fällen einfach als ZIP-Archiv mit ROM-Datei auf die SD-Karte kopieren. Das funktioniert deutlich einfacher, als viele Einsteiger vermuten. Gerade das macht die G13 Ultra im Alltag attraktiv, weil man nicht vollständig von der vorinstallierten Bibliothek abhängig bleibt. Wichtig bleibt natürlich der rechtliche Hinweis: Sinnvoll und legal ist das nur bei Spielen, die man selbst besitzt oder an denen man die nötigen Rechte hat.

Beim Kundenservice fällt auf, dass Antworten in vielen Fällen vergleichsweise schnell kommen. Das hebt Retrowave von vielen komplett anonymen Importshops ab, bei denen man nach dem Kauf oft niemanden mehr erreicht. Man sollte daraus keinen Premium-Support auf Amazon-Niveau ableiten, aber innerhalb dieser Produktkategorie ist ein halbwegs reaktionsschneller Support bereits ein echter Pluspunkt.

Im Vergleich zur älteren G11 merkt man, dass die G13 Ultra in mehreren Punkten nachgelegt hat. Die Oberfläche wirkt moderner, die Gesamtpräsentation stimmiger und das Gerät erscheint insgesamt näher an dem, was Käufer von einer unkomplizierten Wohnzimmer-Retro-Konsole erwarten. Die G11 war bereits brauchbar, wirkte aber eher wie eine typische generische Gamebox mit Markenlogo. Die G13 Ultra ist im Detail ausgereifter und dadurch als Komplettpaket die bessere Wahl.

Technische Daten
Anzahl Spiele 106.000+
Prozessor Amlogic S905X3
Grafikkarte Mali-G52
RAM 2GB DDR4
Betriebssystem Linux-basiertes Retro-System
Lieferzeit 7-10 Werktage
SD-Karte 256 GB

Unter dem Strich ist die Retrowave G13 Ultra genau deshalb unser Testsieger, weil sie nicht nur mit einer großen Bibliothek wirbt, sondern das Gesamtpaket aus Bedienung, UI, Stabilität, Einsteigerfreundlichkeit und ordentlicher Emulationsleistung im Alltag am stimmigsten wirkt. Sie ist keine High-End-Maschine für PS2 oder GameCube, aber in ihrer Klasse ist sie eine der angenehmsten Lösungen für alle, die ohne viel Bastelarbeit direkt loslegen wollen.

R36S im Test: Budget Retro Handheld

Der R36S ist einer der besten Retro-Handhelds im unteren Preisbereich, weil er auf den ersten Blick fast zu günstig wirkt, um ernst genommen zu werden. Genau das erklärt auch seinen Hype. Für rund 50 Euro bekommt man ein Gerät mit Linux-System, zwei Analogsticks, brauchbarem Display und genug Leistung für einen Großteil der klassischen Emulationswelt. In der Praxis ist der R36S deshalb kein perfekter, aber ein erstaunlich starker Budget-Handheld.

R36S Retro Handheld im Test
R36S Retro Handheld im Test

Das Herzstück ist der Rockchip RK3326, ein Quad-Core-SoC auf Basis von Cortex-A35, dazu kommt meist 1 Gigabyte RAM und ein 3,5-Zoll-IPS-Display mit 640 x 480 Pixeln. Genau diese Kombination ist für Retro-Spiele erstaunlich sinnvoll. Das 4:3-Display passt hervorragend zu vielen alten Konsolen, gerade bei SNES, PlayStation 1, Neo Geo oder älteren Arcade-Systemen. Statt eines breit gezogenen Bildes bekommt man hier ein Format, das in vielen Fällen deutlich natürlicher wirkt als bei modernen Breitbild-Handhelds.

Im praktischen Einsatz ist der R36S vor allem dort stark, wo Retro-Gaming klassisch wird. 8-Bit- und 16-Bit-Systeme laufen problemlos. Das gilt auch für die meisten Arcade-Plattformen und die PlayStation 1. Genau in dieser Leistungsklasse fühlt sich das Gerät zuhause. Spiele starten schnell, das Linux-Frontend reagiert ordentlich und man hat überraschend selten das Gefühl, dass das Gerät technisch überfordert wäre. Das ist bemerkenswert, weil es sich preislich klar im Billigsegment bewegt.

Spannend wird es bei Nintendo 64, Dreamcast und vor allem PSP. Hier zeigt sich die Grenze des RK3326 sehr deutlich. Manche Spiele laufen überraschend gut, andere nur mit Einschränkungen. Bei PSP ist oft Frameskip nötig, und selbst dann bleibt die Erfahrung stark vom jeweiligen Titel abhängig. Wer Rennspiele, Actiontitel oder allgemein schwerere 3D-Spiele erwartet, wird früher oder später auf Framedrops, unsauberes Audio oder Eingabelatenz stoßen. Das bedeutet nicht, dass diese Plattformen unbrauchbar sind, aber sie gehören nicht zu den eigentlichen Paradedisziplinen des Geräts. Für einen günstigen Retro-Handheld ist das okay, sollte aber realistisch eingeordnet werden.

Ein echter Pluspunkt des R36S ist seine Kompaktheit. Das Gerät ist leicht, schnell griffbereit und unterwegs angenehm zu transportieren. Gerade als Handheld für die Tasche oder für spontane Sessions auf dem Sofa passt das Konzept sehr gut. Das Display liefert für diese Preisklasse ein ordentliches Bild mit guten Blickwinkeln, und die Auflösung reicht für Retro-Gaming völlig aus. Man merkt bei vielen Spielen sogar, dass die 640-x-480-Auflösung fast ideal ist, weil sie sauber zu klassischen Systemen passt und ohne extreme Skalierungsprobleme auskommt.

Bei den Bedienelementen ist der Eindruck etwas gemischter. Die Tasten sind brauchbar, das Steuerkreuz erfüllt seinen Zweck und die Analogsticks sind für die Preisklasse akzeptabel. Man merkt aber deutlich, dass hier nicht das Niveau teurerer Geräte erreicht wird. Gerade wer sehr empfindlich auf D-Pad-Präzision, Triggergefühl oder Stickqualität reagiert, wird feststellen, dass der R36S eher funktional als hochwertig gebaut ist. Für gemütliches Retro-Gaming passt das, für längere Sessions oder sehr präzise Spiele merkt man die Budget-Abstammung aber.

Eines der größten Themen rund um den R36S ist die Software. Viele Geräte kommen mit Linux-basierten Frontends, häufig in Kombination mit ArkOS oder ähnlichen Systemen. Das ist grundsätzlich positiv, weil die Community stark ist und viele Anleitungen existieren. Gleichzeitig ist genau das auch eine Hürde für Einsteiger. Der R36S ist nicht die Art von Gerät, die man kauft, nie anfasst und jahrelang unberührt betreibt. Vielmehr ist es ein typischer Kandidat dafür, sich irgendwann mit Firmware, SD-Karten, Panels oder Emulatorsettings zu beschäftigen.

Das größte Problem ist die mitgelieferte microSD-Karte. In der Community ist das fast schon ein Meme, weil diese Karten regelmäßig ausfallen, Daten verlieren oder das System irgendwann nicht mehr korrekt booten. Deshalb lautet die wichtigste Empfehlung bei einem R36S praktisch immer: Sofort ein Backup machen und möglichst direkt auf eine gute Marken-SD wechseln. Das ist keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, sondern eher Standardpflege. Wer das ignoriert, riskiert früher oder später Frust.

Dazu kommt das bekannte Thema der verschiedenen Hardware-Revisionen. Es gibt beim R36S nicht einfach nur den einen R36S, sondern viele minimale Varianten und Clones, teilweise mit abweichenden Displays oder leicht veränderten Komponenten. Das merkt man spätestens dann, wenn man neue Firmware flashen will. Ein falsches Image kann dazu führen, dass der Handheld plötzlich nur noch mit schwarzem Bildschirm startet, obwohl er technisch gar nicht defekt ist. Dieses Panel-/DTB-Thema ist einer der wichtigsten Gründe, warum der R36S zwar günstig, aber nicht vollkommen einsteigerfreundlich ist.

Trotzdem bleibt der R36S ein extrem attraktives Gerät. Warum? Weil er in seinem Preisbereich sehr viel richtig macht. Man bekommt einen echten Linux-Retro-Handheld mit ordentlichem Display, guter Grundperformance und einer aktiven Community. Für viele Nutzer ist das genau die Kombination, die zählt. Er ist nicht perfekt, aber er liefert sehr viel Retro-Gaming pro Euro.

Unter dem Strich ist der R36S die beste Wahl für alle, die möglichst günstig in die Welt der Retro-Handhelds einsteigen wollen und keine Angst davor haben, sich einmal mit SD-Backup, Firmware und den Eigenheiten des Geräts zu beschäftigen. Wer einfach nur sofort losspielen will, findet bequemere Alternativen. Wer aber ein echtes Preis-Leistungs-Wunder sucht, landet sehr schnell wieder beim R36S.

X2 Pro Superconsole im Test: Ebenfalls gut

Die X2 Pro Superconsole ist eine der bekannteren TV-Boxen im Retro-Bereich und bewegt sich genau zwischen zwei Welten. Einerseits ist sie eine klassische Emulationsbox mit großer Spielebibliothek, andererseits ist sie auch eine Art Android-TV-Box mit Zusatzfunktionen. Genau das macht sie für viele Nutzer interessant. Sie ist flexibler als ein einfacher HDMI-Stick, verlangt aber auch etwas mehr technisches Verständnis.

Im Kern arbeitet die X2 Pro in den meisten Varianten mit einem Amlogic S905X2, dazu kommen typischerweise 2 Gigabyte DDR4-RAM, 8 Gigabyte interner Speicher, Wi-Fi, Bluetooth 5.0 und die Kombination aus EmuELEC und Android 9. Genau diese technische Ausstattung macht sie zu einer typischen Retro-Box der gehobenen Einstiegsklasse. Sie ist spürbar über simplen Billigsticks angesiedelt, bleibt aber weit weg von echter High-End-Emulation.

Im Alltag zeigt sich schnell, dass die X2 Pro vor allem für klassische Konsolen gebaut wurde. NES, SNES, Mega Drive, Game Boy, Arcade und PlayStation 1 laufen in der Regel stabil und flüssig. Auch Dreamcast ist bei vielen Titeln noch überraschend brauchbar. Bei N64 wird es gemischter, und PSP markiert oft die Grenze dessen, was sich noch sinnvoll spielen lässt. Manche Titel funktionieren ordentlich, andere kämpfen mit spürbaren Framerate-Problemen. Genau dieses Profil ist für eine S905X2-Box typisch und sollte nicht mit falschen Hoffnungen verwechselt werden. Die X2 Pro ist keine PS2- oder GameCube-Maschine, sondern eine starke Box für alles bis ungefähr zur PS1-/Dreamcast-/teilweise-PSP-Klasse.

Ein wichtiger Vorteil ist die Dokumentation. Gerade bei generischen Retro-Boxen fehlen oft verständliche Anleitungen oder klare Hotkeys. Die X2 Pro ist hier etwas besser aufgestellt. Save States, Load States, Menüzugriffe und Netzwerkeinstellungen sind meist nachvollziehbarer dokumentiert als bei typischen 4K-Game-Sticks. Das hilft besonders dann, wenn man nicht nur konsumieren, sondern das System auch anpassen möchte.

Das Frontend wirkt im Alltag ordentlich und funktional. Man merkt, dass die Box nicht einfach nur eine Sammlung von ROMs auf einer SD-Karte ist, sondern als Gesamtprodukt gedacht wurde. Spielelisten, Systemansichten und Emulatorzugriffe sind nachvollziehbar aufgebaut. Vor allem für Nutzer, die gerne zwischen Retro-Gaming und Android-Funktionen wechseln wollen, ist das ein echter Vorteil. Streaming, einfache Apps oder Medienfunktionen machen die Box vielseitiger als reine Emulationssticks.

Gleichzeitig ist genau diese Vielseitigkeit auch ein kleiner Nachteil. Die X2 Pro ist nicht ganz so idiotensicher wie eine sehr simple Plug-and-Play-Lösung. Wer nur HDMI einstecken und durch eine möglichst hübsche Bibliothek scrollen will, kommt mit einer stärker auf Einfachheit getrimmten Box oft schneller zurecht. Die X2 Pro belohnt eher Nutzer, die bereit sind, sich kurz mit EmuELEC, Ordnerstrukturen und Hotkeys zu beschäftigen.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit, eigene Spiele nachzurüsten. Das klappt nicht nur über die SD-Karte am PC, sondern je nach Konfiguration auch über das Netzwerk. Genau das hebt die X2 Pro im Alltag von simpleren Sticks ab. Wer seine Bibliothek erweitern oder bestimmte Titel austauschen will, muss nicht zwingend jedes Mal die Karte ausbauen und umständlich am Rechner hantieren. Gerade für Nutzer, die häufiger an ihrer Sammlung arbeiten, ist das viel angenehmer.

Bei der Controller- und Gesamtqualität bewegt sich die X2 Pro im soliden Mittelfeld. Die Box selbst wirkt meist etwas erwachsener als die ganz billigen Alternativen. Die mitgelieferten Controller sind aber auch hier nicht der eigentliche Star. Für Gelegenheitsspieler reichen sie aus, für längere Sessions oder höhere Ansprüche bleibt ein besseres Gamepad die sinnvollste Ergänzung. Gerade bei Retro-Boxen gilt: Ein gutes Pad macht im Alltag oft mehr Unterschied als ein etwas stärkerer SoC.

Typische Probleme der X2 Pro betreffen – wie so oft in dieser Gerätekategorie – die microSD-Karte und die Systemstabilität nach Änderungen. Sobald Nutzer tiefer in Einstellungen, Updates oder Emulator-Optionen eingreifen, häufen sich Berichte über Bootprobleme, beschädigte Karten oder nicht mehr startende Frontends. Genau deshalb empfiehlt sich auch hier ein vollständiges Backup der Karte, bevor man irgendetwas ändert. Das ist bei Retro-Boxen keine optionale Sicherheitsmaßnahme, sondern eigentlich Pflicht.

Unterm Strich ist die X2 Pro Superconsole eine gute Wahl für Nutzer, die eine flexible TV-Box suchen, die Retro-Gaming und Android-Funktionalität kombiniert. Sie ist nicht die hübscheste oder einfachste Box auf dem Markt, aber sie bietet ein solides technisches Fundament, brauchbare Leistung für klassische Systeme und mehr Möglichkeiten zur Anpassung als viele billigere Alternativen. Wer etwas mehr Flexibilität möchte und vor einem minimal technischen Setup nicht zurückschreckt, bekommt hier ein insgesamt sehr rundes Gerät.

M27 im Test: Premium Retro Handheld

Der M27 ist im Retro-Handheld-Markt vor allem deshalb interessant, weil er sich optisch und konzeptionell deutlich von typischen 3,5-Zoll-Budget-Handhelds absetzt. Statt auf maximale Kompaktheit setzt er auf Bildgröße und Komfort. Schon auf den ersten Blick wirkt das Gerät eher wie ein kleiner portabler Gaming-Bildschirm mit Bedienelementen als wie ein klassischer Mini-Handheld. Genau das ist seine größte Stärke – und zugleich der Grund, warum der M27 nicht für jeden die beste Wahl ist.

Je nach Händler und Version finden sich leicht abweichende Angaben, genannt werden aber häufig ein Quad-Core Cortex-A55, eine Mali-G52-GPU, teilweise 4 Gigabyte RAM und ein 7-Zoll-IPS-Display mit 1024 x 600 Pixeln. Teilweise taucht sogar der Rockchip RK3568 auf, was zur groben Leistungsklasse gut passt. Unabhängig von der exakten Bezeichnung ist entscheidend, dass der M27 damit klar oberhalb von Geräten wie dem R36S angesiedelt ist. Er ist moderner, leistungsfähiger und vor allem aufwendiger aufgebaut.

Der eigentliche Star ist das Display. Sieben Zoll machen im Alltag einen riesigen Unterschied. Menüs, Texte, 3D-Spiele und generell alles, was auf kleinen Handhelds schnell fummelig wirkt, sieht hier deutlich entspannter aus. Gerade Nutzer, die mit 3,5-Zoll-Geräten nie richtig warm geworden sind, weil ihnen Schrift zu klein oder das Bild zu eng war, finden im M27 eine deutlich komfortablere Alternative. Das Gerät spielt seine Stärke besonders bei längeren Sessions aus, bei denen man nicht permanent das Gefühl hat, auf einen winzigen Bildschirm starren zu müssen.

Leistungsseitig ist der M27 dort überzeugend, wo man ihn realistischerweise einsetzen sollte. 8-Bit, 16-Bit, Arcade und PlayStation 1 sind kein Problem. Auch N64, Dreamcast und ein Teil der PSP-Bibliothek profitieren von der stärkeren Plattform. Man merkt, dass hier mehr Reserven vorhanden sind als bei klassischen RK3326-Handhelds. Trotzdem sollte man die Leistung nicht überschätzen. Der M27 ist kein Gerät für ernsthafte PS2- oder GameCube-Emulation. Wer diese Erwartung mitbringt, wird enttäuscht. Die Plattform ist besser für klassisches Retro und leicht modernere 3D-Systeme geeignet, nicht für echte High-End-Emulation.

Im Alltag gefällt am M27 vor allem, dass er Retro-Gaming deutlich komfortabler macht. Große Sprites, Menütexte, Rollenspiel-Dialoge oder PSP-Oberflächen wirken einfach angenehmer als auf kleinen Budgetgeräten. Dazu kommen oft brauchbare Lautsprecher und bei einigen Varianten sogar HDMI-Out, was den Handheld im Zweifel fast schon wieder zur Mini-TV-Konsole macht. Genau diese Vielseitigkeit ist interessant, weil der M27 nicht nur als mobiles Gerät funktioniert, sondern bei Bedarf auch in eine stationäre Nutzung hineinragt.

Die Kehrseite des großen Displays ist allerdings das Seitenverhältnis. Viele klassische Retro-Systeme arbeiten in 4:3, während der M27 mit seinem 1024-x-600-Bildschirm näher an einem Breitbildformat liegt. Wenn das System die Darstellung nicht sauber regelt oder der Nutzer die richtigen Optionen nicht kennt, wirken Spiele schnell gestreckt oder werden mit schwarzen Balken dargestellt. Das ist nicht zwingend ein Defekt, sondern eher eine Folge des Formats. Wer sehr viel Wert auf originalgetreue Darstellung klassischer 4:3-Spiele legt, sollte diesen Punkt im Hinterkopf behalten.

Bei den Bedienelementen zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei vielen günstigen China-Handhelds: brauchbar, aber nicht automatisch Premium. Gerade weil der M27 sich über Komfort definiert, fallen mittelmäßige Sticks oder nur durchschnittliche Tasten stärker auf. Ein großes Display allein reicht eben nicht, wenn sich die Eingaben nicht ebenfalls hochwertig anfühlen. In vielen Erfahrungsberichten wird genau das angesprochen: Der Bildschirm begeistert, die Steuerung ist okay, aber eben nicht überragend.

Auch bei Features wie Wi-Fi, Bluetooth oder Akkuangaben lohnt sich Vorsicht, weil die Ausstattung je nach Händler und Version teils schwankt. Das ist typisch für Geräte, die über zahlreiche Reseller mit leicht abweichenden Spezifikationen verkauft werden. Für Käufer bedeutet das: immer genau prüfen, welche Version man konkret bestellt, statt sich auf allgemeine M27-Angaben zu verlassen.

Unter dem Strich ist der M27 vor allem ein Handheld für Nutzer, die ein großes Bild, mehr Komfort und ein etwas moderneres Innenleben wollen. “Premium” ist er weniger im Sinne eines perfekt verarbeiteten High-End-Handhelds, sondern eher, weil er sich im Alltag deutlich angenehmer und erwachsener anfühlt als typische Mini-Geräte. Für längere Retro-Sessions, PSP-Titel mit mehr Bildschirmfläche und entspanntes Couch-Gaming ist der M27 eine sehr interessante Alternative.

Retrowave Lite Stick im Test

Der Retrowave Lite Stick ist die einfachste und günstigste Möglichkeit, schnell in die Welt der Retro-Konsolen einzusteigen. Das Konzept ist bekannt: ein kleiner HDMI-Stick, zwei kabellose Controller, eine vorinstallierte SD-Karte und direkt tausende Spiele. Genau deshalb wirken solche Geräte auf den ersten Blick extrem attraktiv. Für vergleichsweise wenig Geld bekommt man eine Komplettlösung, die ohne lange Einrichtung sofort am Fernseher funktionieren soll.

Der Shop bewirbt den Lite Stick mit rund 20.000 Spielen, einer 64-Gigabyte-Speicherkarte, zwei Wireless-Controllern und einer Lieferzeit von etwa 5 bis 10 Tagen. Das ist in dieser Kategorie ein typisches Angebot. Der Stick richtet sich ganz klar an Einsteiger oder Gelegenheitsnutzer, die ohne große technische Hürde möglichst viele alte Spiele auf dem Fernseher haben wollen.

Im Alltag zeigt sich aber schnell, dass die Stick-Klasse stärker von Kompromissen lebt als größere Retro-Boxen oder bessere Handhelds. Der größte Vorteil ist die Einfachheit. Der Stick verschwindet direkt hinter dem Fernseher, braucht wenig Platz und lässt sich schnell anschließen. Genau deshalb eignet er sich gut für Leute, die wirklich nur gelegentlich ein paar Runden zocken wollen oder für spontane Spieleabende etwas Billiges suchen.

Leistungstechnisch reicht diese Geräteklasse in der Regel für klassische 8-Bit- und 16-Bit-Systeme problemlos aus. Auch viele PlayStation-1-Spiele funktionieren noch ordentlich. Sobald Emulatoren anspruchsvoller werden, merkt man jedoch schneller als bei besseren Boxen, dass hier sehr knapp kalkuliert wurde. Nicht nur die reine Performance, sondern auch Menüführung, Ladeverhalten und Eingabekomfort fallen einfacher aus. Genau das trennt einen Lite Stick von einer besser ausgestatteten Retro-Box.

Ein Problem dieser Stick-Kategorie ist die oft chaotische Spielebibliothek. Die Zahl der Games klingt auf dem Papier attraktiv, in der Praxis findet man aber viele Dubletten, ungewöhnlich benannte Spiele, teils merkwürdig übersetzte Titel und eine insgesamt wenig kuratierte Auswahl. Das bedeutet nicht, dass man nichts Gutes findet – im Gegenteil, viele Klassiker sind natürlich vorhanden. Aber das Stöbern wirkt schnell unübersichtlich, vor allem wenn man gezielt nach einem bestimmten Spiel sucht.

Das zweite große Thema sind die Controller. Genau hier sparen viele Hersteller am stärksten. Die Verbindung funktioniert meist, aber Haptik, Präzision und Latenz erreichen selten ein wirklich gutes Niveau. Für Partyspiele, gemütliches Retro-Zocken oder einfache Jump-and-Runs reicht das oft noch aus. Wer aber präzise Eingaben braucht, merkt schnell, dass die günstigen Pads zum eigentlichen Flaschenhals werden. Genau deshalb ist der Lite Stick eher eine Einstiegslösung als eine Konsole, mit der man langfristig besonders glücklich wird.

Hinzu kommt die generelle Struktur solcher Geräte. Oft liegen System, Emulatoren und ROMs komplett auf der SD-Karte. Das macht das Produkt zwar billig und einfach zu produzieren, sorgt aber auch dafür, dass die Karte der zentrale Schwachpunkt ist. Sobald sie beschädigt wird oder das System fehlerhaft verändert wurde, steht man im schlimmsten Fall vor einem Stick, der nicht mehr korrekt bootet. Deshalb gilt auch hier: Nach dem Kauf möglichst sofort ein Backup der SD-Karte erstellen.

Der Retrowave Lite Stick eignet sich deshalb vor allem für eine ganz bestimmte Zielgruppe. Wer möglichst wenig Geld ausgeben, keine große Einrichtung will und einfach spontan viele alte Spiele am TV ausprobieren möchte, bekommt hier ein funktionierendes Basispaket. Wer dagegen häufiger spielt, Wert auf ein schöneres UI legt, bessere Performance erwartet oder langfristig an seiner Bibliothek arbeiten will, stößt sehr schnell an die Grenzen dieses Konzepts.

Unterm Strich ist der Retrowave Lite Stick kein schlechtes Produkt, aber klar als Einstiegslösung einzuordnen. Er ist interessant für Gelegenheitsspieler und für alle, die sich ohne große Investition an Retro-Gaming herantasten wollen. Wer aber merkt, dass das Thema langfristig Spaß macht, wird früher oder später eher bei einer besseren Box wie der G13 Ultra oder einem stärkeren Handheld landen.

Was gibt es bei Retro-Konsolen zu beachten?

Wer eine Retro-Konsole kaufen möchte, sollte sich nicht von großen Zahlen wie 20.000, 50.000 oder 100.000 Spielen blenden lassen. In der Praxis entscheidet nicht die reine Anzahl der vorinstallierten Titel darüber, ob ein Gerät gut ist, sondern vor allem die Hardware, die Software, die Qualität der Speicherkarte, die Benutzeroberfläche und die Frage, wie gut das Gerät zu den eigenen Erwartungen passt. Genau hier trennt sich der Markt sehr deutlich. Viele Produkte sehen auf Bildern ähnlich aus, unterscheiden sich im Alltag aber massiv.

Welche Systeme willst du spielen?

Der wichtigste Punkt vor dem Kauf ist nicht die Marke, sondern die Frage, welche Konsolen du emulieren möchtest. Wer nur klassische Systeme wie NES, SNES, Mega Drive, Game Boy, Game Boy Advance, Arcade und PlayStation 1 spielen möchte, braucht keine extrem starke Hardware. Dafür reichen viele günstige Retro-Handhelds und TV-Boxen bereits aus.

Anders sieht es aus, wenn du gezielt an Nintendo 64, Dreamcast oder PSP interessiert bist. Diese Plattformen stellen deutlich höhere Anforderungen an Prozessor und Grafikchip. Hier kommt es schon viel stärker auf die konkrete Hardwareklasse an. Manche Spiele laufen auf günstigen Geräten ordentlich, andere ruckeln spürbar oder haben Soundprobleme, Grafikfehler oder Instabilitäten.

Noch klarer wird es bei PS2, GameCube oder 3DS. Genau hier scheitern die meisten günstigen Retro-Konsolen. Viele Shop-Angebote suggerieren mit langen Plattformlisten, dass diese Systeme “irgendwie dabei” seien. In der Praxis bedeutet das aber oft nur, dass irgendwo ein Emulator vorhanden ist, nicht dass die Spiele auch wirklich gut laufen. Wer ernsthaft PS2 oder GameCube emulieren will, braucht eine deutlich stärkere Geräteklasse als das, was günstige China-Handhelds oder HDMI-Sticks normalerweise bieten.

Der Prozessor zählt

Das Herz jeder Retro-Konsole ist der SoC, also die Kombination aus CPU und GPU. Genau dieser Chip entscheidet darüber, wie weit man emulationstechnisch kommt. Viele günstige Handhelds wie der R36S setzen auf einen Rockchip RK3326. Diese Plattform ist für klassische Retro-Systeme gut geeignet, stößt aber bei N64, Dreamcast und PSP spürbar an Grenzen. Für 8-Bit, 16-Bit und PS1 ist sie dagegen absolut ausreichend.

TV-Boxen wie die X2 Pro oder Geräte aus dem G11-/G13-Umfeld arbeiten oft mit Amlogic-Chips wie S905X, S905X2 oder S905X3. Diese sind etwas stärker oder moderner aufgestellt, bleiben aber ebenfalls in einer Leistungsklasse, die man realistisch einordnen sollte. Für klassische Retro-Systeme und einen Teil der Dreamcast- oder PSP-Bibliothek reicht das gut aus. Für anspruchsvollere 3D-Emulation aber nicht.

Etwas höher angesiedelte Handhelds wie der M27 setzen häufig auf modernere Plattformen mit Cortex-A55 und Mali-G52. Das bringt im Alltag mehr Reserven, vor allem bei N64, Dreamcast oder PSP. Trotzdem gilt auch hier: Mehr Leistung bedeutet nicht automatisch, dass plötzlich jede Plattform sauber emulierbar ist. Retro-Konsole bleibt nicht gleich Retro-Konsole. Die CPU-Klasse macht einen enormen Unterschied.

Wie wichtig ist der RAM?

Der RAM ist nicht der allein entscheidende Faktor, aber er beeinflusst spürbar, wie flüssig Menüs, Frontends und Emulatoren arbeiten. Viele günstige Handhelds kommen mit 1 Gigabyte RAM, was für ein schlankes Linux-System mit RetroArch und klassischen Emulatoren meist genügt. TV-Boxen liegen oft bei 2 Gigabyte, manche größere Handhelds oder modernere Modelle bei 4 Gigabyte.

Mehr Arbeitsspeicher ist vor allem dann nützlich, wenn das System nicht nur Emulatoren, sondern auch aufwendigere Oberflächen, Android-Komponenten oder größere Zusatzfunktionen bereitstellt. Wunder darf man davon aber nicht erwarten. Eine schwache CPU wird nicht dadurch gut, dass mehr RAM verbaut ist. Trotzdem sorgt ein vernünftiger Speicherausbau oft für das rundere Gesamtgefühl.

Display und Format

Bei Handhelds wird oft zu wenig darüber gesprochen, wie wichtig das Display für das eigentliche Spielerlebnis ist. Gerade bei Retro-Spielen passt nicht jedes moderne Bildschirmformat automatisch gut. Ein 4:3-Display mit 640 x 480 Pixeln ist für viele klassische Systeme nahezu ideal. Genau deshalb fühlt sich ein Gerät wie der R36S trotz seiner einfachen Hardware bei SNES, PS1 oder Neo Geo oft sehr stimmig an.

Ein größeres Display wie beim M27 bringt dagegen mehr Komfort, bessere Lesbarkeit und ein angenehmeres Gefühl bei längeren Sessions. Gleichzeitig entstehen hier häufiger Probleme mit dem Seitenverhältnis. Viele Retro-Systeme arbeiten nativ im 4:3-Format. Auf einem Breitbildscreen müssen diese Inhalte entweder mit schwarzen Balken dargestellt oder gestreckt werden. Genau hier zeigen sich Unterschiede in der Softwarequalität und den verfügbaren Darstellungsoptionen.

Wer hauptsächlich unterwegs spielt, sollte sich deshalb fragen, ob er lieber ein kompaktes 4:3-Gerät mit klassischem Retro-Look oder ein größeres Komfort-Display mit mehr Fläche möchte. Beides hat Vorteile, aber auch klare Kompromisse.

Warum das UI wichtig ist

Viele Käufer achten nur auf Screenshots der Hardware, unterschätzen aber das Frontend. Dabei entscheidet genau dieses Menüsystem darüber, ob eine Retro-Konsole Spaß macht oder permanent nervt. Eine gute Oberfläche bietet Suche, klare Systemkategorien, saubere Spielelisten, Favoriten und eine nachvollziehbare Bedienung. Eine schlechte Oberfläche wirkt unübersichtlich, schlecht übersetzt und chaotisch.

Gerade im Billigsegment ist das ein enorm wichtiger Punkt. Viele No-Name-Sticks werben mit gigantischen Spielezahlen, liefern aber ein UI, in dem Titel kryptisch benannt sind, mehrfach auftauchen oder nur schwer auffindbar sind. Das wirkt auf Produktbildern nebensächlich, ist im Alltag aber einer der Hauptgründe für Frust. Eine technisch nur mittelstarke Konsole mit gutem UI ist häufig angenehmer als eine etwas stärkere Hardware mit miserabler Menüführung.

Save States und Hotkeys

Eine moderne Retro-Konsole lebt nicht nur davon, alte Spiele zu starten, sondern davon, sie heute komfortabel spielbar zu machen. Genau deshalb sind Save States, Load States, Tastenbelegung, Cheats, Bildfilter und Emulator-Menüs so wichtig. Gute Systeme machen diese Funktionen leicht zugänglich, etwa über Hotkeys oder direkt über einen Tastendruck auf dem Controller.

Gerade bei alten Spielen, die keine Speicherfunktion besitzen oder ungewöhnlich schwer sind, machen Save States einen riesigen Unterschied. Wer einmal ernsthaft Arcade-Spiele, Jump-and-Runs oder ältere Actiontitel mit Save States gespielt hat, merkt sehr schnell, wie viel komfortabler Retro-Gaming dadurch wird. Dasselbe gilt für die Tastenzuordnung. Manche ROMs oder Emulatoren haben ab Werk eine unglückliche Belegung, und eine gute Konsole sollte es ermöglichen, das unkompliziert zu ändern.

Die SD-Karte als Schwachpunkt

Einer der wichtigsten und meist unterschätzten Punkte ist die microSD-Karte. Sehr viele Retro-Konsolen – besonders günstige China-Handhelds, HDMI-Sticks und TV-Boxen – werden mit billigen No-Name-Karten ausgeliefert. Diese funktionieren anfangs oft ohne Probleme, gelten aber als klarer Schwachpunkt. Datenfehler, beschädigte Dateisysteme oder plötzlich nicht mehr startende Systeme sind in der Community ein Dauerthema.

Deshalb sollte man nach dem Kauf möglichst sofort ein vollständiges Backup erstellen. Idealerweise zieht man nicht nur die sichtbaren Dateien herunter, sondern erstellt ein komplettes Image der gesamten Karte. Das ist wichtig, weil viele Geräte mehrere Partitionen nutzen und nicht alle Bereiche im Datei-Explorer sichtbar sind. Wer später eine hochwertige Markenkarte nutzt, spart sich oft viel Ärger.

Gerade Einsteiger unterschätzen diesen Punkt. Viele glauben, dass die Konsole bei einem SD-Problem einfach nur ein einzelnes Spiel verliert. In Wahrheit kann die gesamte Systemstruktur betroffen sein, weil Betriebssystem, Emulatoren und ROMs oft vollständig auf der Karte liegen. Ohne Backup steht man dann schnell vor einem Gerät, das gar nicht mehr sinnvoll startet.

Eine oder zwei Karten?

Einige Retro-Handhelds besitzen zwei microSD-Slots. Das ist ein echter Vorteil. In solchen Fällen kann man das Betriebssystem auf einer Karte lassen und die Spielebibliothek auf eine zweite Karte auslagern. Das macht Updates, Backups und das Hinzufügen eigener Spiele deutlich sauberer. Wenn eine ROM-Karte beschädigt wird, bleibt das Betriebssystem meist unberührt.

Geräte mit nur einer Karte sind nicht automatisch schlecht, aber etwas fehleranfälliger im Handling. Hier muss man sauberer arbeiten, weil auf derselben Karte oft System, Emulatoren, BIOS-Dateien und ROMs gemeinsam liegen. Wer dann versehentlich Ordner verschiebt oder etwas falsch überschreibt, kann schneller Probleme verursachen.

Controller und Input-Lag

Gerade bei TV-Boxen und HDMI-Sticks sind die mitgelieferten Wireless-Controller ein ganz entscheidender Punkt. Viele Shops werben mit “verbesserten Gamepads” oder “latzenzfreiem Spielen”. In der Realität bewegt man sich aber meist im Bereich günstiger Import-Controller. Diese funktionieren oft ordentlich genug, um locker Retro-Spiele zu spielen, reichen qualitativ aber selten an gute Markenpads heran.

Das betrifft zwei Dinge. Erstens die Haptik. Tasten, Steuerkreuz, Trigger und Analogsticks fühlen sich oft einfacher und weniger präzise an. Zweitens die Latenz. Eine gewisse Verzögerung ist bei billigen kabellosen Pads nicht ungewöhnlich. Für gemütliche Retro-Abende auf dem Sofa ist das meist noch akzeptabel. Wer aber besonders empfindlich auf Input-Lag reagiert oder präzise Reaktionsspiele liebt, wird das deutlich stärker merken.

Deshalb lohnt es sich oft, nicht nur auf die Konsole selbst zu schauen, sondern auch zu überlegen, ob später ein besserer kompatibler Controller sinnvoll wäre. Das verbessert das Gesamterlebnis in vielen Fällen stärker als kleine Unterschiede bei der reinen Hardware.

Viele Spiele sind kein Vorteil

Eine der größten Marketing-Fallen im Retro-Markt ist die Betonung der puren Spielezahl. 20.000, 50.000 oder 100.000+ klingt auf den ersten Blick beeindruckend, ist aber nur begrenzt aussagekräftig. In der Praxis bestehen solche Bibliotheken oft aus Dubletten, unterschiedlichen Regionen, mehrfach vorhandenen Sprachversionen, variierenden Dateinamen und teils schlecht sortierten Hacks oder Mods.

Das bedeutet nicht, dass eine große Bibliothek wertlos ist. Im Gegenteil, gerade zum Stöbern kann sie sehr unterhaltsam sein. Man sollte nur nicht erwarten, dass ein Gerät mit 100.000 Spielen automatisch besser ist als eines mit 20.000. Wichtiger ist, wie gut die Bibliothek aufbereitet wurde, wie schnell man bestimmte Titel findet und ob die gewünschten Systeme tatsächlich ordentlich laufen.

Firmware und Community

Viele Retro-Geräte werden unter verschiedenen Markennamen verkauft, obwohl die Hardware im Kern ähnlich ist. Dazu kommen unterschiedliche Revisionen mit minimal veränderten Displays, Speicherlösungen oder Platinen. Gerade beim R36S ist das ein bekanntes Thema. Wer ein neues Image oder eine andere Firmware aufspielt, kann schnell in Probleme laufen, wenn die eigene Geräteversion abweicht.

Ein großer Vorteil bestimmter Geräte ist daher nicht nur die Hardware, sondern auch die Community. Wenn zu einem Handheld viele Anleitungen, Forenbeiträge und Firmware-Guides existieren, ist das im Alltag enorm wertvoll. Eine Community ersetzt keinen guten Hersteller, kann aber bei Problemen oft entscheidend sein. Umgekehrt gilt: Ein Gerät ohne Dokumentation und ohne aktive Nutzerbasis ist deutlich riskanter, weil man im Fehlerfall schnell alleine dasteht.

Die rechtliche Seite

Der vielleicht wichtigste Punkt wird in vielen Shop-Beschreibungen nur am Rand erwähnt oder komplett ausgeblendet: die rechtliche Seite. Viele Retro-Konsolen werden mit riesigen Bibliotheken vorinstallierter Spiele verkauft. Dabei ist in vielen Fällen offensichtlich oder zumindest fraglich, ob für diese ROMs überhaupt eine gültige Lizenz oder eine zulässige Vertriebsgrundlage besteht.

Wer eine solche Konsole kauft, sollte sich bewusst sein, dass die Hardware an sich meist unproblematisch ist, die mitgelieferte Spielebibliothek aber rechtlich heikel sein kann. Wer wirklich auf der sicheren Seite bleiben will, sollte vor allem Homebrew, eigene Dumps oder legal verfügbare Titel nutzen. Genau deshalb ist es wichtig, dass eine Retro-Konsole das Nachrüsten eigener Spiele unterstützt. So kann man sich Schritt für Schritt eine Bibliothek aufbauen, die sauberer und besser kontrollierbar ist.

Welche Konsole passt zu dir?

Wer möglichst bequem am Fernseher spielen will, greift am besten zu einer TV-Box oder einem HDMI-Stick. Diese Geräte eignen sich gut für das Wohnzimmer, spontane Spielrunden und gemeinsames Spielen mit mehreren Personen. Sie sind ideal, wenn man kein Handheld-Feeling braucht und möglichst wenig mit Einstellungen zu tun haben möchte.

Wer unterwegs oder auf dem Sofa lieber mobil spielt, ist mit einem Retro-Handheld besser bedient. Hier kommt es dann darauf an, ob man eher ein günstiges, kompaktes Gerät wie den R36S oder einen größeren Komfort-Handheld wie den M27 möchte.

Wer gerne bastelt, profitiert besonders von Geräten mit aktiver Community, klarer Ordnerstruktur und der Möglichkeit, eigene BIOS-Dateien, ROMs und Firmware sauber zu verwalten. Wer dagegen einfach nur einstecken und loslegen will, sollte stärker auf Benutzerfreundlichkeit und Systemstabilität achten als auf theoretische Maximalleistung.

Wie kann ich eigene Spiele installieren?

Eigene Spiele zu installieren gehört zu den wichtigsten Funktionen moderner Retro-Konsolen. Gerade weil die vorinstallierten Bibliotheken oft unübersichtlich, unvollständig oder rechtlich fragwürdig sind, ist es sinnvoll, die eigene Sammlung sauber zu ergänzen. Die gute Nachricht ist: Bei fast allen hier besprochenen Geräten ist das grundsätzlich möglich. Die weniger gute Nachricht ist, dass die genaue Vorgehensweise je nach System unterschiedlich komfortabel ausfällt.

Immer zuerst ein Backup

Bevor du überhaupt an ROMs, BIOS-Dateien oder Ordnerstrukturen arbeitest, solltest du immer zuerst ein vollständiges Backup der microSD-Karte erstellen. Das ist nicht nur eine Vorsichtsmaßnahme, sondern praktisch Pflicht. Viele Geräte speichern das Betriebssystem, Emulatoren, Metadaten und Spiele auf derselben Karte. Ein versehentlich verschobener Ordner oder eine beschädigte Partition kann ausreichen, damit die Konsole nicht mehr korrekt startet.

Am sichersten ist es, ein komplettes Image der Karte zu erstellen. Dadurch werden auch versteckte Partitionen und Boot-Bereiche mitgesichert. Nur einzelne sichtbare Ordner zu kopieren ist besser als nichts, ersetzt aber kein echtes Komplett-Backup.

ROMs richtig ablegen

Retro-Konsolen arbeiten fast immer mit festen Ordnerstrukturen. Für jede Plattform gibt es einen eigenen ROM-Ordner, etwa für NES, SNES, PS1, Mega Drive oder PSP. Neue Spiele müssen genau in diese Verzeichnisse kopiert werden, damit das Frontend sie korrekt erkennt. Wer hier die Ordnerstruktur verändert oder neue eigene Verzeichnisse anlegt, riskiert, dass Spiele nicht angezeigt werden.

Bei vielen Geräten sind die Ordnernamen logisch, teilweise aber auf Englisch oder abgekürzt. Wer sich unsicher ist, sollte lieber einmal genau nachsehen, bevor er Dateien verschiebt. Gerade bei älteren Emulator-Frontends erkennt das System neue Inhalte nur dann korrekt, wenn sie exakt am erwarteten Ort liegen.

ZIP oder anderes Format?

Viele Emulatoren können ROMs direkt aus einem ZIP-Archiv laden. Das ist praktisch, weil man Spiele dann nicht erst entpacken muss. Gerade bei klassischen Systemen wie SNES, Mega Drive oder Game Boy funktioniert das häufig problemlos. Bei anderen Plattformen hängt es stärker vom Emulator und vom Dateiformat ab.

CD-basierte Systeme wie PlayStation 1, Sega CD oder PSP arbeiten oft mit anderen Formaten wie BIN, CUE, CHD, ISO oder PBP. Hier lohnt es sich, bei der bestehenden Ordnerstruktur nachzusehen, in welchem Format die vorinstallierten Spiele bereits vorliegen. Daran kann man sich meist gut orientieren.

Wann braucht man BIOS-Dateien?

Ein häufiger Stolperstein ist das Thema BIOS. Nicht alle Emulatoren benötigen separate BIOS-Dateien, aber bei bestimmten Konsolen sind sie wichtig oder sogar notwendig. Das betrifft vor allem Systeme wie PlayStation 1, Sega CD, Neo Geo, teilweise auch Arcade-Systeme oder bestimmte Handheld-Plattformen.

Fehlen diese Dateien oder liegen sie im falschen Ordner, starten manche Spiele nicht korrekt, bleiben schwarz oder zeigen Fehlermeldungen. Deshalb sollte man beim Nachrüsten eigener Spiele immer prüfen, ob die Zielplattform ein BIOS voraussetzt und wo dieses auf dem jeweiligen Gerät abgelegt werden muss.

Zwei Karten sind praktischer

Geräte wie der R36S mit zwei microSD-Slots sind beim Nachrüsten eigener Spiele besonders angenehm. In solchen Fällen kann man das Betriebssystem auf der ersten Karte belassen und die eigene Spielebibliothek auf einer zweiten Karte verwalten. Das macht die Struktur sauberer und reduziert das Risiko, aus Versehen Systemdateien zu beschädigen.

Diese Trennung hat noch einen weiteren Vorteil. Wer irgendwann ein neues Firmware-Image testen oder das System aktualisieren möchte, kann die OS-Karte austauschen oder neu flashen, ohne dass die gesamte Spielebibliothek betroffen ist. Für Nutzer, die häufiger basteln oder experimentieren, ist das deutlich entspannter.

Spiele per Netzwerk kopieren

Einige Retro-Boxen wie die X2 Pro oder ähnliche EmuELEC-Systeme bieten neben der SD-Karte auch einen Zugriff über das Netzwerk. Das ist besonders praktisch, wenn das Gerät per WLAN oder LAN eingebunden ist. In solchen Fällen lassen sich ROMs direkt vom PC aus in die freigegebenen Ordner kopieren, ohne dass die Karte jedes Mal ausgebaut werden muss.

Gerade bei einer großen Bibliothek ist das deutlich angenehmer. Wer regelmäßig neue Titel ergänzt, spart sich viel Handling und reduziert das Risiko, durch häufiges Entnehmen der Karte mechanische Probleme zu verursachen.

Spieleliste aktualisieren

Neue ROMs erscheinen nicht immer automatisch sofort im Frontend. Viele Systeme benötigen nach dem Kopieren eine Aktualisierung der Spieleliste oder einen Neustart. Manche Frontends bieten dafür einen eigenen Menüpunkt wie “Refresh Games List”, andere lesen neue Inhalte beim nächsten Bootvorgang automatisch ein.

Wenn ein Spiel nach dem Kopieren nicht sichtbar ist, liegt das deshalb nicht immer an einer defekten ROM. Häufig wurde die Bibliothek einfach noch nicht neu eingelesen oder die Datei liegt im falschen Ordner.

Cover und Metadaten

Wer seine eigene Spielebibliothek aufräumen möchte, sollte nicht nur an ROMs denken, sondern auch an Metadaten, Box-Art und Scraper-Funktionen. Gute Frontends können Spiele mit Covern, Beschreibungen, Erscheinungsjahr und Genre anreichern. Das macht gerade große Bibliotheken deutlich angenehmer.

Für Einsteiger ist das nicht zwingend nötig, aber langfristig ein echter Komfortgewinn. Eine saubere Bibliothek mit korrekten Namen und Box-Art wirkt sofort hochwertiger als eine lange Liste kryptischer Dateinamen.

Typische Fehler vermeiden

Die häufigsten Fehler sind erstaunlich simpel. Viele Nutzer kopieren ROMs in den falschen Ordner, benutzen ein nicht unterstütztes Dateiformat, vergessen notwendige BIOS-Dateien oder ändern die bestehende Ordnerstruktur unnötig ab. Ein weiterer Klassiker ist die Annahme, dass jede Plattform automatisch jede Datei erkennt. Gerade bei CD-basierten Systemen oder bei Arcade-ROMs ist das oft nicht so einfach.

Deshalb ist es sinnvoll, sich bei einem neuen Gerät zuerst an der vorhandenen Struktur zu orientieren. Wenn bereits Spiele für eine Plattform installiert sind, kann man sich deren Format, Benennung und Speicherort genau ansehen und dann die eigenen Dateien entsprechend hinzufügen.

Rechtlich sauber bleiben

Auch beim Nachrüsten eigener Spiele gilt: Du solltest nur ROMs, Images oder BIOS-Dateien verwenden, an denen du die nötigen Rechte besitzt. Technisch ist das Kopieren auf die SD-Karte meist unkompliziert. Rechtlich ist das Thema aber nicht automatisch unproblematisch, nur weil es möglich ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt auf eigene Dumps, Homebrew oder andere legal nutzbare Inhalte.

Unser Fazit zu Retro-Konsolen

Retro-Konsolen sind heute faszinierender denn je, weil man für vergleichsweise wenig Geld eine enorme Menge an Spielgeschichte auf einem einzigen Gerät bündeln kann. Gleichzeitig ist dieser Markt aber auch voller Übertreibungen, halbgaren Versprechen und Qualitätsunterschieden. Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Wer einfach und bequem im Wohnzimmer spielen möchte, fährt mit einer gut vorkonfigurierten TV-Box oder einem soliden Stick am besten. Hier zählen vor allem Bedienbarkeit, sauberes UI, verlässliche Performance und möglichst wenig technischer Aufwand. Wer mobil spielen will, sollte stärker auf Display, Ergonomie und die Frage achten, wie gut das Gerät mit seiner Zielplattform tatsächlich zurechtkommt.

Am Ende sind nicht die größten Marketingzahlen entscheidend, sondern das Gesamtpaket. Eine gute Retro-Konsole muss nicht alles können. Sie muss vor allem in der Praxis überzeugen. Dazu gehören eine passende Hardwareklasse, eine vernünftige Softwarebasis, möglichst brauchbare Controller, eine stabile Speicherlösung und eine realistische Erwartung an die emulierbaren Systeme.

Wer diese Punkte beachtet, kann mit Retro-Konsolen enorm viel Spaß haben. Wer sich dagegen nur von “100.000 Spielen”, “4K” oder “unterstützt PS2/GameCube/3DS” blenden lässt, landet schnell bei einem Gerät, das auf dem Papier beeindruckend wirkt, im Alltag aber enttäuscht.

Unser wichtigster Rat lautet deshalb: Lieber ein ehrliches, stabiles Gerät mit klaren Grenzen kaufen als ein überladenes Marketingprodukt mit unrealistischen Versprechen. Und ganz gleich, für welches Modell du dich entscheidest – erstelle direkt nach dem Kauf ein Backup der SD-Karte. Das ist im Retro-Konsolen-Markt fast immer die sinnvollste erste Maßnahme.

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Alexander Jakob
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Alexander Jakob
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